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Ab 1. April: Zehn neue Fahrradwaggons der ÖBB im Regionalverkehr


By Andrzej Felczak - Posted on 08 April 2012

2011 nutzten über 200.000 Menschen die Fahrradtransport-Angebote der ÖBB. Aufgrund dieser hohen Nachfrage setzen die Bundesbahnen ab April zehn neu adaptierte Fahrradwaggons auf folgenden Regionalverbindungen Österreichs ein: entlang des Donau- und Mur-Radwegs sowie Richtung Neusiedlersee.
 
Durch das auffällige Außendesign mit Fahrradmotiven sind die Wagen am Bahnsteig für die Fahrgäste leicht erkennbar. Sie bieten in der einen Waggonhälfte Abstellraum für 24 Fahrrräder und im direkt angrenzenden Großraumabteil 36 Sitzplätze. Damit können die Fahrgäste in der Nähe ihrer Räder Platz nehmen.
 
Das neue Außendesign täuscht leider nur kurz darüber hinweg, dass die ÖBB eine Neuanschaffung von Waggons gescheut und lieber altes Wagenmaterial ohne Niederflureinstiege "fahrradtauglich" umgebaut hat. Das heißt, dass die Fahrräder zum Ein- und Aussteigen über drei hohe Stufen gehoben werden müssen, und das noch dazu durch relativ schmale Türen. Das ist nicht immer leicht für Jung und Alt und wird noch für Ärger bei vielen Fahrrad-Bahnreisenden sorgen. Die ÖBB verweisen dagegen aufs freundliche und hilfsbereite Zugspersonal, das auch gerne beim Verladen der Räder mithilft. Wir sind gespannt…
 
Das Wageninnere und die Abstellanlagen erscheinen beim Test durch die Radlobby hingegen einigermaßen durchdacht und praktikabel. Erstmals wird im Innenraum die sogenannte Schrägpark-Aufstellung angeboten. So können die Fahrräder platzsparend abgestellt werden. Allerdings muss zum richtigen Abstellen das Rad vorne angehoben und die Lenkstange in eine Gabelaufhängung gesetzt werden, was durchaus beschwerlich sein kann und unter Umständen auch viel Aufmerksamkeit abverlangt, um diverse Kabel und Leitungszüge im Lenkerbereich des Fahrrades nicht in Mitleidenschaft zu ziehen. Das Rad kann bei Bedarf auch mittels Haltegurt gesichert und mit dem eigenem Schloss an einem der festen Seitenbügel abgesperrt werden.
 
Die Abstelleinrichtungen bieten ausreichend Platz für "Norm"-Fahrräder, Kindersitze sind auch kein Problem, für alle anderen Konstruktionen wie Tandem, Fahrradanhänger, Liegerad, Lastenrad, Handbike, etc. ist in dieser Schrägparkordnung allerdings kein Platz vorgesehen. Zwei größere freie Flächen sind im Wageninneren zwar vorhanden, müssen als Notausstiegsbereiche allerdings frei bleiben. Andererseits hätte der Platz für Sonderkonstruktionen im Innenraum auch kaum Sinn, schließlich sind diese über die hohen Stufen und schmalen Türen kaum oder gar nicht in den Wagen zu hieven, und bleiben somit per Design "außen vor".
 
Unser Gesamturteil: Der ambitionierte und ganz gut gelungene Innenausbau mit kleinen Schwächen kann das große Manko der unpraktikablen Ein- und Ausstiege dieses Wagenmaterials nicht wettmachen. Es fragt sich ob eine Anschaffung bzw. Adaptierung von zehn Niederflurwaggons für die ÖBB wirklich so unleistbar ist. Dennoch verdient die Initiative Lob: Immerhin gibt es ernsthafte Bemühungen den Fahrradtransport im Zug auszubauen.
 
Die RegioBiking-Fahrradwagen werden auf folgenden Bahnverbindungen entlang touristisch wichtiger Radwege angeboten:
* Wien Franz-Josefs-Bahnhof - Krems/Donau
* Wien Südbahnhof (Ost) - Neusiedl - Pamhagen
* Graz - Spielfeld
* Spielfeld - Bad - Radkersburg
* Amstetten - Linz - Wels - Passau
 
In Nahverkehrszügen ist die Mitnahme von Fahrrädern generell möglich, eine Reservierung ist hier im Gegensatz zu Fernverkehrszügen nicht erforderlich. Eine Tageskarte für die Fahrradmitnahme kostet € 5 mit Vorteilscard und für Kinder € 2,50. Darüber hinaus gibt es Wochen- und Monatskarten. Für Gruppen von 2 bis 5 Personen gibt es mit dem "Einfach-Raus-Radticket" eine Tagesnetzkarte mit Fahrradbeförderung für den ÖBB-Nahverkehr um € 35.
 
Martin Rotter (Radlobby.IGF) und Karl Zauner (Radlobby.NÖ)

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Der größte Mangel dieser Waggons ist wohl, daß sie sicherheitstechnisch eigentlich nicht mehr zugelassen sind. Nach geltendem EU-Recht dürfen solche Waggons nur deswegen mehr verwendet werden, weil sie alt sind und daher eine Ausnahmeregelung gilt.
Es passieren laufend Unfälle mit solchen Waggons, bei denen Fahrgäste verletzt werden. Zum einen gehen auf beiden Seiten die Türen auf, d.h. daß - auch wenn der Ausstieg nur auf einer Seite ist, sich auch die andere Tür sich öffnen läßt. Und das passiert laufend, entweder unabsichtlich oder weil jemand es absichtlich tut.
Dann bekommt weder der Lokführer, noch der Zugführer oder Schaffner mit, ob die Tür noch offen ist. Der Zug kann daher mit offener Tür abfahren. Es gibt keinerlei elektronische Wegfahrsperre oder ein ander Art von Sicherung.
In Kombination mit dem verzögerten Ausssteigen durch die Fahrradentladung sind Unfälle vorprogrammiert.
Die Grund für die Adaption dieser Waggons liegt wahrscheinlich darin, daß die Verkehrsverbünde für den Alltagsverkehr für PendlerInnen moderne Züge verlangen und die ÖBB sonst nicht wissen, was mit den alten Waggons tun. Also wird das Zeug in den Freizeitverkehr verlagert, damit dort eventuell Einnahmen erzielt werden. Zur Erinnerung: die ÖBB muß 5% der gesamten Personenverkehrseinnahmen durch Eigenleistung erzielen (Den Rest zahlen Verbünde, der Bund und die Länder). Gleichzeitig darf es nichts kosten.
Jedenfalls: Vor diesen Waggons kann nur gewarnt werden. Daß immer ein Schaffner dabei sein soll, kann nur ein Hohn sein.
Ich habe persönlich bereits einen Unfall mit einem solchen Waggon als Zeuge gesehen, und ich habe merhfach von leuten in Orten an solchen bahnstrecken gehört, daß die Leute auf der anderen Seite ausgestiegen sind, und ich habe auch oft genug gesehen, daß weit und breit kein Schaffner dabei war und der Zug einfach abgefahren ist.
Also Vorsicht!
 
 

    

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