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Erste railjet-Garnituren mit Fahrradabteil ab Frühjahr 2013 unterwegs


By Andrzej Felczak - Posted on 25 Juli 2012

Ab Herbst 2012 bauen die ÖBB schrittweise in jede der 51 railjet-Garnituren ein Fahrradabteil ein. Pro Abteil werden sechs Abstellplätze zur Verfügung stehen. Für den Transport von E-Bikes statten die ÖBB jeden Fahrrad-Stellplatz im railjet auch mit einer Steckdose aus. Die ersten Züge mit dem neuen Fahrradabteil werden ab Frühjahr 2013 buchbar und unterwegs sein.

Presseaussendung Radmitnahme Railjet (pdf)

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Sehr knapp, knapper gehts nicht mehr! Ein Pseudoangebot erster Güte. Besser als überhaupt nichts, aber auch nicht mehr. Warum?
 
Gehen wir von der Verbindung Wien-Zürich aus. Bis 2009 gab es auf dieser Strecke zwei Züge pro Tag, beide mit Gepäckwaggons, in die je 30 bis 40 Räder locker reinpaßten. Dazu ein weiterer Zug Zürich-Salzburg, ebenfalls mit Gepäckwaggon. Machte mindestens 100 Räder pro Tag, jeden Tag.
Jetzt soll der Railjet pro Zug 6 Räder mitnehmen. Es gibt derzeit 5 Züge Wien-Zürich, macht in Zukunft 30 Räder pro Tag.
Als die früheren drei Züge noch fuhren, war das bereits knapp. In den Sommermonaten mußte man bis zu fünf Tage warten, bis etwas frei war. Wenn wir jetzt von einem zukünftigen Drittel der früheren Kapazität ausgehen, dann staut es sich nicht fünf Tage, sondern ein Monat zurück.
Nun gehen wir einen Schritt weiter. Zürich ist ein kleines Kaff und auf der Strecke Wien nach Zürich ist Wien die einzige Großstadt.Wesentlich interessanter für den Fernverkehr ist die Strecke nach München.
Zwischen Budapest und München liegen gleich drei Miliionenstädte, also Budapest mit 2 Mio., Wien mit 1,8 Mio. und München mit über 2 Mio. EinwohnerInnen. Da fährt der Railjet. geschätzte 10 mal am Tag pro Fahrtrichtung. Mit Großräumen hängen an dieser Strecke also gut und gerne über 6 Mio. Menschen. Jetzt gehen wir zu den Tourismuszahlen über. Die Deutschen machen gerne mit dem Fahrrad Urlaub, nach manchen Schätzungen ein Drittel der UrlauberInnen. Und Österreich ist ihr beliebtes Urlaubsland schlechthin.
Und dann steht da die ÖBB mit ihren zehn Zügen, die 60 Räder pro Tag nach Wien fahren, in München herum. Und diese Massen sollen in diese zehn Züge rein.
 
Kleiner Exkurs ins Ausland. In Frankreich nehmen nunmehr alle TGV Räder mit, nämlich 4 pro Zuggarnitur, in der Stoßzeit fahren Doppelgarnituren, also 8 Räder. In einem TGV sind 1000 Passagiere, die Züge sind statistisch zu 95% ausgelastet, also gesteckt voll. Die TGV bedienen nur Hauptknotepunkte zwischen Ballungszentren, also Paris mit Großraum 8 Mio. EinwohnerInnen und ein gutes Dutzend Großstädte mit jeweils 2 Mio. EinwohnerInnen (Nantes, Lille, Strasbourg, Toulouse, Bordeaux usw). Heuer wirbt die SNCF auf ihrer Homepage damit, dass sie im Fernverkehr 40.000 Räder transportieren wird (über das ganze Jahr!). Praktisch ist das so, dass zb der TGV Paris nach Marseille gleich auch über Lyon durchs Rhonetal fährt, d.h. durch Ballungsräume mit an die 15 Mio. Menschen. Diese Strecke wird zwar stündlich gefahren, aber nicht in der Nacht, d.h. es sind so um die 15 Züge pro Tag mal 8 Räder im Idealfall, das sind 120 Radabstellplätze für 15 Mio. Menschen. Das kann nicht funktionieren und tut es auch nicht.
 
Was ist dann die Lösung? Das, was es schon mal gab, nämlich Versand im Güterverkehr. Dazu gibt es nunmal Güterwaggons. In der Schweiz funktioniert die Radmitnahme nur deshalb, weil zusätzlich zu Versand und Abholung am Bahnhof auch die Hauszustellung möglich ist, sowie die Mitnahme im Zug. Und da sind pro Zug nicht 6, sondern mindestens 20 bis 30 Räder möglich und die Züge fahren auf den Hauptstrecken im Halbstundentakt.
 
Auch in Frankreich gibt es den Gepäckversand, im Unterschied zu Österreich ist es dort auch möglich das Rad direkt bei der Güterverkehrabteilung aufzugeben und abzuholen (die ist dort irgendwo, nur nicht am Bahnhof, aber immerhin in den gößeren Städten). Was das System von Österreich unterscheidet, ist, dass es somit möglich ist, das Rad direkt zu versenden und nicht tagelang auf eine Lastwagen in einem Quartier zu warten, bis das Rad abgeholt oder zugestellt wird.
 
Die Frage, ob die Bahn irgendwann mal wieder zum Haupttransportmittel für (Rad)TouristInnen wird, entscheidet nicht das mickrige Angebot von ein paar Restflächen im Zug, sondern ein leistungsfähiges Gepäcktransportsystem. Alles andere ist Alibi und hält dem Alltag unter Echtzeitbedingungen nicht stand. Insofern ist es zwar eine nette Geste, wenn die Railjets ein paar Räder mitnehmen, aber es wird nicht dazu führen, dass das Angebot wirklich genutzt werden kann. Ein paar Glückliche werden mitfahren, der Rest pfeift wie bisher drauf und fährt mit dem Auto.
 
Persönlich bedauere ich es sehr, dass das alles so ist. Aber nach 20 Jahren Radurlaub muß man sich auch eingestehen können, dass Rad und Bahn unter den derzeitigen Bedinungen nicht einmal ein Minderheitenprogramm ist. Sorry, aber da hilft auch nicht der um Jahre verpätete Zugang zu ein paar ÖBB-Zügen.

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