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INFICON - Fahrradförderung statt Pkw-Stellplätze
Der Liechtensteiner Messgeräte-Hersteller INFICON motiviert seine 200 Beschäftigten seit Jahren erfolgreich dazu, ihre Wege zur Arbeit umweltfreundlich zurückzulegen. Das Zu-Fuß-Gehen, Radfahren, den öffentlichen Verkehr Benutzen und Bilden von Fahrgemeinschaften wird gezielt gefördert. Der Anstoß für das betriebliche Mobilitätsmanagement der INFICON AG war die EMAS-Umweltprüfung. Eine Energiebilanz ergab, dass 50 % des gesamten Energieverbrauches durch die Pkw-Fahrten der Beschäftigten zur Arbeit und wieder nach Hause verursacht wurde.
RadfahrerInnen werden „verwöhnt“
Unmittelbar vor dem Haupteingang gibt es nicht wie sonst üblich Pkw-Stellplätze,
sondern überdachte Fahrradstellplätze. Eine Fahrrad-Reparaturecke mit Druckluftpumpe, eine eigene Garderobe zum Trocknen nasser Kleidung, Ersatzakkus für E-Fahrräder sowie Umkleide- und Duschmöglichkeiten schaffen optimale Bedingungen für RadfahrerInnen. Einmal pro Jahr holt INFICON einen Fahrradmechaniker in die Firma und bietet den RadlerInnen ein Gratis-Radservice an. Für den Kauf von Fahrradhelmen und Spikes-Reifen gibt es jährlich einen Zuschuss von je 30 CHF. Dabei muss der Helm nicht einmal von einem Angestellten sein! „Wenn sich das Kind eines Mitarbeiters beim Radfahren am Kopf verletzt, müssen Vater und Mutter der Firma fernbleiben oder sind dadurch von der Arbeit abgelenkt. Dem möchten wir durch die Fahrradhelmförderung vorbeugen“, erklärt Georg Sele, Initiator des INFICON-Mobilitätsmanagements.
Was ist der Nutzen des Mobilitätsmanagements?
„INFICON erspart sich durch den Entfall des Garagengeschoßes 120.000 Schweizer
Franken pro Jahr“, erläutert Georg Sele. „Die Beschäftigten profitieren finanziell, weil
sie Fahrtkosten sparen oder auf ein Zweitauto verzichten können. „Bewegte“ MitarbeiterInnen sind nach unserer Beobachtung ausgeglichener, zufriedener und weniger oft krank.“ Stolz ist man bei INFICON auf die Gleichbehandlung aller MitarbeiterInnen. Sämtliche Maßnahmen und Regeln des Mobilitätsmanagements gelten für alle Beschäftigten – vom Chef bis zum Lagerarbeiter.
Das persönliche Engagement der Geschäftsführung konnten Eva Favry und Michael Szeiler vom Verkehrsplanungsbüro Rosinak & Partner „live“ erleben: Während der Besichtigung kam Urs Wälchli, Geschäftsführer der INFICON AG, ins Büro geradelt – und das trotz des kühlen und regnerischen Wetters.
Wie motiviert INFICON die Beschäftigten zum „Umsteigen“?
INFICON nutzte die Gunst einer Standortübersiedlung und verzichtete auf ein
kostspieliges zweites Garagengeschoß. Stattdessen wurde ein ausgeklügeltes
Anreizsystem zum Umsteigen auf umweltfreundliche Verkehrsmittel entwickelt.
MitarbeiterInnen, die auf das Auto verzichten, werden finanziell belohnt, die Parkplätze
in der Garage sind hingegen kostenpflichtig. TOP-Mitglieder des betriebsinternen
Mobilitätsclubs erhalten am Jahresende 500 Schweizer Franken, also etwa 380 Euro.
Dafür verpflichten sie sich, ihren Arbeitsweg maximal 12 Mal im Jahr alleine im Auto
zurückzulegen. Stolze 35 % der Belegschaft sind TOP-Mitglieder. PLUS-Mitglieder
erhalten 290 Euro, sie dürfen bis zu 52 Mal pro Jahr alleine mit dem Auto kommen.
Sollte eine berufliche oder private Pkw-Fahrt unvermeidlich sein, zum Beispiel für einen Arzttermin, steht Mitgliedern des Mobilitätsclubs ein Carsharing-Auto gratis zur
Verfügung.
Eva Favry und Michael Szeiler überzeugten sich bei einer Besichtigung von der Vielzahl der Maßnahmen bei INFICON. „Ein besonders originelles und lustvolles Anreizsystem ist das Mobilitäts-Lotto“, berichtet Michael Szeiler. „Während 4 Wochen im Jahr wird jeden Morgen ein/e Mitarbeiter/in gelost und erhält 40 Euro geschenkt – sofern sie umweltfreundlich, also nicht alleine im eigenen Auto, ins Büro gekommen ist. Ansonsten kommt das Geld in einen Jackpot und am nächsten Tag werden 80 Euro verlost. Damit wird der Anreiz gesteigert, zumindest einmal ein anderes Verkehrsmittel ausprobieren – und auf den Geschmack zu kommen, das eigene Mobilitätsverhalten zu ändern.“
Vorbildwirkung für andere Unternehmen
„Das Beispiel INFICON zeigt, wie alle von betrieblichem Mobilitätsmanagement
profitieren können“ ist Michael Szeiler überzeugt. „Es entsteht eine Win-Win-Situation
für das Unternehmen, die Beschäftigten und die Umwelt. Wir sind gerade dabei,
österreichischen Firmen den Nutzen von betrieblichem Mobilitätsmanagement näher
zu bringen und wünschen uns viele Nachahmer von INFICON.“
Eva Favry und Michael Szeiler
Verkehrsplanungsbüro Rosinak
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