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ARGUS-Tagung "Radwege oder Radstreifen?"
Bericht von der ARGUS-Tagung vom 15.04.2005
Am Vortag des ARGUS-Bike-Festivals, am 15. April 2005, organisierte die ARGUS eine Tagung zum Thema „Radwege oder Radstreifen“ in der Wiener Planungswerkstatt, in deren Mittelpunkt der Vortrag des deutschen Verkehrsplanungs-Fachmannes Peter Gwiasda stand. Für viele TeilnehmerInnen, der gut besuchten Tagung sicher eine überraschende Erkenntnis: innerorts hat der traditionelle Radwegebau ausgedient – mehr als 80% aller Anlagen sind bereits Radstreifen oder Mehrzweckstreifen (in BRD „Schutzstreifen“). Die Vorträge von Martin Forstner (ARGUS) und des Salzburger Radverkehrskoordinators Ing. Peter Weiß ließen einen interessanten Vergleich – Wien 4%, Salzburg ca. 24 % – zu. Allgemein war man sich aber einig: Wien ist am Aufholen, nicht zuletzt Dank der zentralen Bemühungen (Lückenschlussprogramm/Masterplan etc.), die in einer Verdoppelung des Radverkehrsanteiles bis 2008 von derzeit 4% auf 8% gipfeln sollen.
Referat Salzburg
Ing. Peter Weiß, Radverkehrskoordinator der Stadt Salzburg, schilderte in seinem Referat, wie es dazu kam, dass sich in Salzburg der Radverkehrsanteil von 11 % in den 1980er Jahren bis heute mehr als verdoppelt hat. Zuerst wurden Radwege gebaut, von denen sich mit steigendem Radverkehrsaufkommen etliche als konflikt- und unfallträchtig erwiesen. Wurden z. B. vor dem Bau der Staatsbrückenunterführung ca. 900 Radfahrer pro Tag auf dieser Strecke gemessen, verdreifachte sich das Aufkommen innerhalb kürzester Zeit nach der Fertigstellung. Zur Entlastung wurde am anderen Ufer ebenfalls eine Unterführung gebaut und seit 2003 werden an Spitzentagen dort bis zu 11.000 Radfahrer täglich gezählt. Seit 1993 werden vermehrt Radstreifen/Mehrzweckstreifen angelegt, die sich gut bewährt haben. Referat zum 'Runterladen am Ende des Artikels (pdf-Format 792 KB)
Referat Wien
Martin Forstner, ARGUS, beschrieb die Entwicklung des Wiener Radverkehrsnetztes von 1997 bis 2004 und besprach die verschiedenen Anlagearten. Er erläuterte, dass das Netz zu einem Großteil aus verkehrsberuhigten Bereichen und beschilderten Routen besteht, Maßnahmen wie Radwege, Radstreifen und Mehrzweckstreifen machen etwa ein Drittel aus. Stark zugenommen haben in diesem Zeitraum Einbahnöffnungen für den Radverkehr. Anhand von Fotos zeigte er auf, was verbessert werden könnte, wobei er in Anlagen der 1., 2. und 3. Generation unterschied. Sein Resumee: Die Nutzer (RadfahrerInnen, ARGUS) sollen stärker bei Planung und Umsetzung eingebunden werden, empfehlenswert wären Vorher-/Nachher-Untersuchungen und Radverkehrsanlagen sollen ohne Systembrüche verlaufen. Referat zum 'Runterladen am Ende des Artikels (pdf-Format 1,4 MB)
Referat Deutschland
Peter Gwiasda vom Planungsbüro VIA in Köln begann mit einem historischen Rückblick. Gab es um 1930 bereits Radspuren auf der Fahrbahn, begann man mit der fortschreitenden Auto-Motorisierung den Radverkehr von der Fahrbahn zu verbannen – der „Bordstein-Radweg“ entstand, der bis weit in die 1980er Jahre mit zum Teil kuriosen „Gehwegbemalungen“ beibehalten wurde. Anfang der 1990er-Jahre begann man mit „Schutzstreifen“ (bei uns Mehrzweckstreifen) zu experimentieren, eine Untersuchung der ersten Maßnahme dieser Art in Bonn ergab, dass weitgehende Akzeptanz sowohl bei Radfahrern als auch bei Autofahrern bestand, es weniger Konflikte Rad/Kfz und natürlich kaum Konflikte Rad/Fußgänger gab. Nachdem sich diese Anlagenform sehr bewährt hat, werden heute innerorts zu 80% Radstreifen und Schutzstreifen angelegt. Referat zum 'Runterladen am Ende des Artikels (pdf-Format 1,9 MB) Nachmittags bot sich ausreichend Zeit zu Diskussion und Erfahrungsaustausch. In der ersten Runde ging es um die Zukunft des Radverkehrs in Wien, danach berichteten die anwesenden Radverkehrskoordinatoren (außer Wien und Salzburg war Graz, Linz, St. Pölten, Weiz und Vorarlberg vertreten) über Lösungen in ihrem Bereich. Überraschend war für uns die hohe Teilnehmerzahl, es herrschte österreichweites Interesse, selbst Vorarlberg war – wie erwähnt – vertreten. Rückblickend ist allerdings zu sagen, dass es schwierig ist, an jene in Politik und Verwaltung heranzukommen, die innovative Radverkehrslösungen („Radwege auf der Fahrbahn“ wie Radstreifen, Mehrzweckstreifen) nur zu oft zu verhindern wissen. Hier liegt noch viel Potential offen.
| Anhang | Größe |
|---|---|
| ReferatSalzburg.pdf | 790 KB |
| ReferatWien.pdf | 1.37 MB |
| ReferatDeutschland.pdf | 1.85 MB |