Die Donau verbindet Kulturunterschiede, oft auf engstem Raum. Ein Beispiel dafür sind Bierkulturen an der bayerisch-oberösterreichischen Donau: einerseits die starke bayerische Biertradition, basierend auf dem strengen Reinheitsgebot, andererseits die weniger stark, aber dafür sehr innovative Bierkultur in Oberösterreich bzw. im Mühlviertel.
Eine besondere Möglichkeit zum Kennenlernen der feinen Bier-Unterschiede bietet eine Radtour an der Donau zwischen den Bierstädten Passau und Linz an, mit Zwischenstopps und Abstechern zu kleinen, aber feinen Orten des Biergenusses – des qualitativen, nicht des quantitativen!
Am bayerisch-österreichischen Bier-Limes
Passau ist eine der bayerischen Bierstädte schlechthin, heute zeugen nur noch vier Brauereien von der langen Brautradition. Weizenbier und Biergärten repräsentieren stark die bayerische Bierkultur. Diese Genusssymbiose erleben Gäste am besten im Biergarten der Brauerei Andorfer, etwa drei Kilometer außerhalb und oberhalb des
Passauer Zentrums. Und all dies bei einer „Brotzeit“, der typisch bayerischen Zwischenmahlzeit, entweder vormittags oder nachmittags, mit Debrezener Würsten und Kren, Kümmelbrot oder einfach nur Leberkäse. Bayerisches Glücks-Nachempfinden ist den radelnden Biergenießern sicher. Weiter werden Einblicke in die Kunst des Brauens bei Führungen sowie Ausblicke auf die Drei-Flüsse-Stadt von erhabener Biergartenposition geboten. Die nächste Bierkultur-Station ist das Seminarkulturhaus in Wesenufer, 33 Kilometer weiter stromabwärts. Heute wird dort die Bierkulinarik gepflegt, vor allem in Kombination mit regionalen Produkten aus dem angrenzenden Sauwald oberhalb der Donau, insbesondere Gerichte mit Kartoffeln. Einstmals wurde hier auch das Brauen kultiviert. Denn zum romantischen Schlössl mit dem sonnigen Arkaden-Hof aus dem 17. Jahrhundert direkt an der Donau gehört auch das imposante Sudhaus der einstigen Brauerei. Über verwandtschaftliche Bande war der einstige Brauereibesitzer mit den Produktionsstätten an der Donau bis in die zwanziger Jahre verbunden (Stiftsbrauerei Wilhering, Brauerei Ottensheim, Mälzerei in Linz). Genaueres dazu erfahren die Radgäste während einer Führung durch das Seminarkulturhaus. Ottensheim und Wilhering sind heute wieder Orte der Bierkultur: Das Thorbräu am Ottensheimer Marktplatz bietet unter anderem das „Ottensheimer Spezial“, das „Zaubertaler Altbier“ und die „Mühlviertler Weisse“. Etwa fünf Kilometer entfernt befindet sich das „Floriani Brau“, eine kleine, im Familienbesitz befindliche Bierbrauerei in der Wilheringer Ortschaft Dörnbach. Diese Mini-Brauerei ist nur jeden ersten Samstag im Monat zwischen 9 und 16 Uhr geöffnet. Zwischen den beiden Bierkulturorten liegt die Donau, den Uferwechsel besorgt sanftmobil die originelle Drahtseilfähre, im Donaumarkt „Überfuhr“ genannt. Dazu empfiehlt es sich eigentlich, Freitag und Samstag einzuplanen, denn an Freitagnachmittagen findet am Ottensheimer Marktplatz immer der attraktive Wochenmarkt statt. Eine wonnevolle Übernachtungsmöglichkeit bietet der Top-Radstopp „Zum Schwarzen Adler“ an, nach dem Ausklingen des Abends im Gastgarten im Marktzentrum.
Zu Österreichs ältester Brauerei
Zwischen Wesenufer und Ottensheim, hoch über der Donau, liegt die Brauerei Hofstetten in der Gemeinde St. Martin. Sie ist nicht nur die älteste Brauerei Österreichs, sondern auch eine der besonders innovativen, wie zahlreiche internationale Prämierungen belegen. Das berühmteste Bier aus Hofstetten ist das Kübelbier, es verfügt fast über einen Kultstatus. Gebraut werden weiter Spezialitäten wie Granitbier, Pilsbier, Kürbisbier, Sündenbock, Honigbier, Bio-Honig-Bock und Granitbock. Manche Bierköstlichkeiten wie das Honig- und Kürbisbier wären in Bayern aufgrund des strengen Reinheitsgebots unvorstellbar. Das Honigbier, angereichert mit Mühlviertler Hochland-Honig, wird vor allem von Frauen und Radlerinnen geschätzt. Ein Aufsuchen der Braustube ist auch mit einer Führung durch die Brauerei kombinierbar.
Erreichbar ist die Brauerei Hofstetten auf einem etwa fünf Kilometer langen Anstieg von Untermühl an der Donau aus. Für die Rückfahrt an die Donau bietet sich die Mühlkreisbahn an, die auch in Ottensheim hält. Apropos Abzweiger: Ein noch längerer Abstecher von 67 Kilometern in Kombination mit der Mühlkreisbahn führt über Aigen, das am Grenzland-Radweg von Kramesau an der Donau erreichbar ist. Zwei Gründe lohnen diesen Tagesabzweiger: Der Biergasthof Schiffner hat 150 verschiedene Biere zu bieten und sein Inhaber Karl Schiffner ist seit 2009 erster Biersommelier-Weltmeister. Und das Stift Schlägl in direkter Nachbarschaft braut vorzügliche Biere, auch in Bio-Qualität.
Linz, der Zielort der Donau-Bier-Radtour, hat ein paar Top-Bier-Adressen zu bieten. Zum Beispiel das Bierlokal „`s Kistl“ im Mozarthaus in der Linzer Altstadt mit über dreißig verschiedenen Biersorten. Aber in Linz gibt es – wie in Passau – auch einen besonderen Biergarten, sogar Oberösterreichs größten, den des Klosterhofes an der Linzer Landstraße. Beide Bier-Kulturorte bieten ein vorzügliches Ambiente für den Abschluss der Bier-Radelreise entlang der Donau.
Noch ein kleiner Tipp zum Schluss: Nach sportlichen Radetappen sollte der Flüssigkeitsverlust zuerst mit einem anderen Durstlöscher, beispielsweise mit gespritztem Apfelsaft ausgeglichen werden. Dann kann das Bier seine isotonische Wirkung entfalten, durch die Zufuhr von Mineralien, Kohlehydraten und Eiweißen. Und natürlich auch seine richtig dosierten Genussqualitäten.
Weitere Informationen siehe Kasten unter dem Artikel "Most zur Obstbaumblüte"