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Liebe Leserinnen und Leser!
Jahr:
2010
Ausgabe:
2
Es würden ja viel mehr Leute mit dem Rad fahren, wenn es gescheite Verbindungen gäbe, hört man oft… ist das eine bloße Ausrede?
Fakt ist, dass sich viele Leute vor dem zu dichten und schnellen Autoverkehr fürchten. Daraus könnte man wieder schließen, wenn der Autoverkehr langsamer (z. B. „echtes“ Tempo 40 km/h in der Stadt) und auch weniger dicht wäre (Zonen-Bewirtschaftung) würden mehr Leute mit dem Rad fahren…
Tatsache ist, dass anscheinend die Fahrradnutzung im Alltag nicht unbedingt von der jeweiligen Infrastruktur abhängt: so findet man etwa in etlichen mittelgroßen Städten Italiens (Ferrara, Bologna) kaum Radwege, dafür aber einen sehr hohen Radverkehrsanteil. Ebenso interessant ist, dass Kopenhagen mit dem europaweit höchsten Radverkehrsanteil auf das Einrichtungs-Radwege-System setzt – erst in letzter Zeit kommen dort aus „Platzmangel“ Radstreifen auf der Fahrbahn dazu – während Malmö – mit ähnlich hohem Radverkehrsanteil – seit jeher auf das Zweirichtungssystem setzte!
In der Schweiz gibt es fast keine Radwege innerorts, dafür aber entsprechend breite Radstreifen und in zahlreichen Städten einen sehr hohen Radverkehrsanteil.
Amsterdam dagegen kann mit vielen, teilweise schon sehr alten Einrichtungs-Radwegen, aufwarten… mit beneidenswert hohem Radverkehrsanteil.
Die Verwirrung scheint also groß zu sein, da nicht einerseits dem Fehlen von Radverkehrsanlagen Schuld an einem niedrigen Radverkehrsanteil gegeben werden kann, genauso wenig, wie der Zwei-Richtungs-Radweg – an Hand des Beispiels Malmö – verteufelt werden sollte!
Wien war und ist immer schon anders: Hier begann man in den 60er Jahren, nachdem etliche bestehende Ein-Richtungs-Radwege dem aufkommenden Autoverkehr geopfert wurden, auf das Zwei-Richtungs-System zu setzen.
Was wir jetzt haben, ist eine Mischkulanz von Einrichtung-, Zweirichtungs-Radwegen, Geh- und Radwegen, Radstreifen, Mehrzweckstreifen mit größtenteils viel zu engen – den leider NICHT verbindlichen RVS-Richtlinien widersprechenden – Querschnitten, die noch dazu, trotz aller politischen Versprechungen, immer noch kein Netz ergeben!
Dass es im übrigen Österreich nicht viel anders zugeht, außer vielleicht in Vorarlberg und der Stadt Salzburg, legt uns die Latte der Bemühungen nach Veränderung ziemlich hoch… Aber, mit ihrer Unterstützung werden wir weiter an der Verbesserung der Situation für den Radverkehr in Stadt und Land arbeiten…
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