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Unsere Bahn ...
Jahr:
2010
Ausgabe:
2 ÖBB vertreiben Gelegenheitsfahrer
Mit der Nahezu-Verdoppelung des Fahrradtarifes für Vollzahler und der Einführung einer “Service-Pauschale” für bestimmte Auslandsbuchungen dokumentieren die ÖBB einmal mehr, dass Ihnen an Neukunden nicht viel gelegen ist.
Es war zwar eine langjährige Forderung der ARGUS, Vorteilscard-Besitzern wieder einen Preisvorteil auch für die Fahrrad-Tickets zu gewähren – so haben wir uns das allerdings nicht vorgestellt. Anstelle einer substantiellen Verbilligung für Stammkunden kommt nun eine horrende Verteuerung für Vollzahler.
Seit Jänner kostet nämlich die Fahrrad-Tageskarte für Regionalzüge plötzlich 5 statt bisher 2,90 Euro – dafür gibt es für Vorteilscard-Besitzer nun eine geringfügige Verbilligung auf 2,50 Euro. IC-Biking – also der Radtransport in Intercity- und Eurocity-Zügen – kostet nun 10 Euro für Vollzahler und 5 Euro für Vorteilscard-Inhaber – bisher 6,90 Euro. Die bisher üblichen drei Gratis-Fahrrad-Schecks für Vorteilscard-Kunden wurden abgeschafft.
Argumentation der ÖBB: Man habe jenen, die öfter als zwei- bis dreimal pro Jahr ihr Fahrrad mitnehmen, einen Preisvorteil verschaffen wollen. Da die Fahrrad-Schecks freilich auch im Intercity gegolten haben, müssen Vorteilscard-Besitzer nun schon elf mal pro Jahr mit Fahrrad im Intercity fahren, um weniger zu zahlen als bisher. Von den Nachteilen für Gelegenheitsfahrer ganz zu schweigen. Die werden damit nur noch effektiver als bisher davon abgehalten, ihr Fahrrad vom Autodach herunterzunehmen und in den Zug zu verladen...
Geringfügige Verbesserungen werden – wie immer in solchen Fällen – groß angepriesen: Nunmehr ist im IC-Biking wieder die Reservierung des Fahrradstellplatzes und eines Sitzplatzes für den Inhaber des Rades inkludiert. Dies funkitioniere auch bei kurzfristiger Buchung, denn mittlerweile könne man mit der Buchungsnummer auch die Reservierungs-Tickets bei allen Fahrkartenautomaten abholen, argumentieren die ÖBB.
Haus-Haus-Gepäck
Noch viel unverschämter fällt die Preiserhöhung freilich beim Haus-Haus-Gepäck-Service aus, das seinerzeit, als man den Gepäcktransport in den Zügen abgeschafft hat, als die viel bessere und bequemere Alternative angepriesen wurde. Nun steigt der Haus-Haus-Tarif von früher 6,90 Euro für zwei Gepäckstücke auf sage und schreibe 29,80 Euro! Das Defizit bei diesem Dienst sei zu groß gewesen, ohne Tariferhöhung hätte man das Haus-Haus Gepäckservice gänzlich einstellen müssen, sagt ÖBB-Sprecher Herbert Ofner. Man will als Kunde gar nicht nachrechnen, wie viele hundert Jahre der Gepäcktransport weiterhin hätte subventioniert werden können, hätten die ÖBB nicht 300 Millionen Euro an der Börse in den Sand gesetzt…
5-Euro-”Service”-Pauschale
Wer in die Schweiz, nach Frankreich oder Spanien reist und seine Fahrkarte nicht online oder sonstwie automatisiert kauft, wird künftig zur Kasse gebeten: 5 Euro Aufschlag für Beratung und Service werden in Rechnung gestellt. Begründet wird die Maßnahme mit der Kürzung der Verkaufsprovisionen für die ÖBB durch die entsprechenden Partner-Bahnen. Ausgenommen sind Fahrkarten für den Grenzverkehr mit Preisen unter 30 Euro. Nach den ständigen Verschlechterungen im Internationalen Fernverkehr – zuletzt wurden die Tages-Züge auf der Südbahn nach Venedig durch Busse ersetzt – will man so offenbar weitere Kunden vertreiben. Und es trifft insbesondere ältere Semester, die mit dem Internet-Kauf nicht allzu viel anzufangen wissen. Abgesehen davon ist der angebotene “Service” ohnehin denkbar schlecht. Laut Rechnungshof-Bericht finden sich nicht einmal die ÖBB-Mitarbeiter selbst im Tarif-Dschungel zurecht. Denn es gibt im ÖBB-Computer-System keine Bestpreis-Funktion, die auf Anhieb darstellen könnte, welches Angebot im Moment für den betreffenden Kunden das beste ist.
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