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Liebe Leserinnen und Leser!


Jahr: 
2010
Ausgabe: 
3

 

Liebe Leserinnen und Leser!
 
Ob Konflikte zwischen verschiedenen Verkehrsteilnehmern, wie Fußgängern, Radfahrern und Autofahrern Wien-typisch  sind und etwas weiter westlich, z. B. in Salzburg schon eher Kopfschütteln verursachen, mag ein jeder für sich entscheiden…
 
Leider, Radlerinnen und Radler „erobern“
sich  in Wien mehr und mehr die Gehsteige… da hat man den Eindruck: Nix  mit „Radlust“ eher mehr „Radfrust“!  Mit den Gründen, warum RadlerInnen auf den Gehsteigen herumfahren, sei es, weil sie sich auf der Fahrbahn vom zu schnellen, drängelnden Autoverkehr fürchten oder die Rad-Infrastruktur einfach nicht gut genug ist, will sich weder Stadt- noch  Bezirkspolitik beschäftigen. 
 
Die Polizei fühlt  sich hie und da  bemüßigt,  Radfahrer auf ihr unrechtsmäßiges Verhalten aufmerksam zu machen, bekommt aber in keiner Weise die Auto-Raserei auf den städtischen Straßen in den Griff, die ja eine Mit-Ursache ist, warum Leute mit dem Fahrrad auf den Gehsteigen herumkurven.
 
Doch nicht nur das Verhältnis Radler/ Fußgänger beschäftigt die Öffentlichkeit:
Zum Verhältnis Radler/Autofahrer fiel einem Wiener „Motor-Journalisten“ was ganz Besonderes ein:  Als Mitarbeiter beim Gratismagazin „Weekend“ verfasste Werner CHRISTL  gar nicht CHRISTLiche Tipps für vermeintlich von Radfahrern bedrängte Autofahrerfahrer, wie: 
 
„Notfalls aussteigen und ordentlich zulangen“; „…wenn sich einer am Seitenspiegel festhält – Türe auf – der Rest erledigt sich von selbst“; „Wenn Ihnen diese Tipps zu krass oder gar gefährlich erscheinen, dann einfach tief Luft holen und dran denken – Autos sind immer stärker“.
Die  Staatsanwaltschaft stellte ein von 
ARGUS angestrengtes Verfahren ein, „weil die dem Ermittlungsverfahren zu Grunde liegende Tat nicht mit gerichtlicher Strafe bedroht ist oder sonst die weitere Verfolgung aus rechtlichen Gründen unzulässig wäre.“…
 
Da die Empörung auf Seite der Radlerei ziemlich groß war, sah sich der wenig „christlich“  schreibende Hr. Christl zur Äußerung gezwungen, dies sei eine Satire gewesen… na ja der „Wiener Schmäh“ hat halt manchmal schon sonderbare Ausformungen (siehe auch Leserbrief Peter Keresztes, Seite 4).
 
Ein Sprung übers „Große Meer“: Fast schon ein Religionskonflikt, könnte man   über den „Great Brooklyn Bike War“ in New York sagen,  eine eher skurrile Auseinandersetzung um Radstreifen. Die jüdische Gemeinde in Brooklyn bewirkte die Rücknahme von „bikelanes“ (Radstreifen). Rad-Aktivisten haben sie wieder angebracht und wurden angeklagt…
Angeblich sollen die von Williamsburg kommenden, allzu freizügig gekleideten jungen Frauen auf ihren Fahrrädern die Moral der orthodoxen Männer gefährden...? Der Bürgermeister, selbst jüdisch-orthodox, hält zur Gemeinde…
 
Zu New York: Da gibt es 100 Tote Radfahrer pro Jahr... 8,3 Mio Menschen wohnen in New York, in Wien sind es 1,7 Mio: Gemessen an der Einwohnerzahl müsste es demnach in Wien 20 tödliche Radfahrunfälle pro Jahr geben!? 
 
Ein möglicher Schluss: Fahren dort viel mehr Radler oder ist die Straßenverkehrssicherheit auf New Yorks Straßen um so viel geringerer als bei uns?
 
Es scheint also nicht alles Gold zu sein, was aus den USA herüberglänzt!!! Neuester Clou: Die kleinste Stadt in Colorado (118 EW, 16 Kasinos) namens “Black Hawk”, eine ehemalige Goldgräberstadt, verbietet bei Strafe (US$ 68,–) das Radfahren auf vielen Straßen der Stadt. Der Kasino-Verkehr fühlt sich gestört…
 
Weiteres USA-Kritisches vom „Europa-verliebten“  John Pucher, Professor an der Rutgers University „cycling für everyone“: http://policy.rutgers.edu/faculty/pucher.html.
 
Schönen Sommer … ohne derlei Probleme!
 

 

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