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Leserbriefe
Jahr:
2010
Ausgabe:
3
Medien&Rad
Medienmacher sollten besser Pedale treten, nicht die Radfahrer!
Negerbrot ist aus unseren Regalen verschwunden (für Leute, die Wickie,
Slime und Paiper nur vom Hörensagen kennen: war Milchschokolade mit
ganzen Haselnüssen). Denn Rassismus sollte man nicht solcherart verniedlichen, meinte letztendlich der Hersteller. Was die Alltags-Radfahrer betrifft, gibt es da noch Nachholbedarf.Weekend-Magazin (ein GratisHalbMonatsMagazin im Kleinformat):Dem Kommentator ist zum Scherzen zumute, er empfiehlt eine ganze Latte von Disziplinierungsmaßnahmen gegen aufmuckende Radfahrer die nichtbereitwillig auf ihre Vorfahrt zugunsten der stets stärkeren Autofahrer verzichten. Erschrecken mit der Hupe, schockieren durch unvermitteltes Aufreißen der Autotüre, neutralisieren durch Blenden sind die Appetitanreger, ordentlich Zulangen die Hauptspeise. Macht nichts, war eh nicht ernst gemeint. Ich kenn einen, der vielleicht nicht lachen kann: Laut Bericht des ORF auf seiner Homepage (http:// ooe.orf.at/stories/441817/) muss es sich um einen handverlesenen Fahrrad-Rowdy gehandelt haben. Hat er doch glatt in Karatemanier mit dem Kopf die Windschutzscheibe des bemitleidenswerten Autobesitzers kaputt gemacht. Soweit darf man nicht gehen bloß um nicht auf den Vorrang gegenüber einem Linksabbieger verzichten zu müssen! Noch dazu war er (am10. Mai) gegen 5 Uhr 15 ohne Licht unterwegs gewesen, was in dem Bericht des ORF als besonders ausgefuchste Heimtücke dargestellt wird. Ich hab nachgesehen, Sonnenaufgang war etwa zur selben Zeit...
Darüberhinaus mache ich mir aber noch so meine Gedanken, mit welcher affenartigen Geschwindigkeit er wohl unterwegs war, sodass er letztendlich durch die Scheibe dringen konnte. Der mutmaßlich disziplinierte Autolenker wird ja beim Linksabbiegen im Kreuzungsbereich höchstens mit leicht erhöhter Schrittgeschwindigkeit unterwegs gewesen sein. Oder?
Ob der Autolenker auch den eingangs erwähnten Spaß-Kommentar gelesen hat, weiß ich nicht, darüber will ich auch gar nicht spekulieren. Aber die Anzahl der Leute, die Spaß nur verstehen, wenn er ihnen hinterher auch erklärt wird, ist Legion. Die Anzahl der verunglückten Radfahrer leider ebenfalls.
Peter Keresztes, Wien 1170
Bahn-Mängel
Aus einem Brief an Verkehrsministerin Bures:
Seit vielen Jahren bin ich Stammkunde der Bahn... Es gibt zwar seit Jahren eine Bahnoffensive, die in Richtung Infrastrukturausbau zielt. Massiv wird in Bahnhöfe und Streckenbeschleunigung investiert. Das ließe hoffen, allerdings ist es inzwischen nicht mehr möglich, im Nationalpark Gesäuse mit einem Personenzug zu fahren. Die ÖBB hat auf Busse umgestellt. Selbiges ist, wie zu vernehmen ist, nun auch für die Nebenstrecke Kienberg/Gaming geplant.
Eine meiner Hauptstrecken, für die ÖBB freilich nur eine Nebenstrecke, ist St. Pölten – St. Ägid am Neuwalde. Auch diese Strecke wird, ab Lilienfeld, in Kürze nur noch durch Autobusse für mich erreichbar sein. Überflüssig dabei zu erwähnen, dass es in Bussen keine Fahrradmitnahmemöglichkeit gibt. Viel Geld wurde dort in den Radweg 4 investiert. Dieser wurde sehr familienfreundlich gestaltet und ist seit rund einem Jahr nutzbar. Aber wie sollen diese Familien zum Ausgangspunkt dieses Radweges kommen, wenn es keinen Zug mit Radmitnahme mehr gibt?
Ich möchte auch auf die Klimaziele hinweisen und meinen Unmut nicht verhehlen. Die ÖBB kauft, so war den Medien zu entnehmen, tausende Busse an! Unsere Nebenbahnen kosten Geld. Aber kosten Instandhaltungsarbeiten für Autostraßen nichts?
Ich verstehe die Signale einfach nicht.
Liegt es am Personalmangel, dass Nebenbahnen geschlossen werden müssen? Wie man hört, werden ÖBB- Mitarbeiter auch gegen ihren Willen pensioniert. Die Arbeitslosenrate ist jedenfalls hoch... Lassen Sie doch, in den kleinen Zügen der Nebenbahnen, wieder einen Schaffner mitfahren! Den aus dem Arbeitsleben ausgemusterten Menschen würde das wieder einiges an Selbstachtung und Lebenszufriedenheit bringen und sie würden auch das Arbeitslosenbudget nicht weiter strapazieren. Die Kaufkraft, der nun wieder in Arbeit stehenden, würde gestärkt. Und last but not least, die älteren Fahrgäste wüssten das sehr zu schätzen, denn der Verschmutzung und Zerstörung des Zugmaterials durch einzelne Vandalen wäre damit auch etwas entgegengestellt.
Ich möchte Ihnen gerne das Beispiel Südtirol nennen. Dort gibt es die Vintschgaubahn, von Meran nach Mals, welche auf einem bereits stillgelegtem Bahnabschnitt wiedererrichtet wurde. Diese Bahn ist dank kluger Werbung und schlauer Tarifgestaltung für den Tourismus und die Einheimischen zu einem sehr gern und gut genutzten Alternativverkehrsmittel geworden.
Blicken wir doch mal nach Holland oder die Schweiz. In der Schweiz gibt es Bahnstrecken sonder Zahl, es wird an der Attraktivierung der Linien gearbeitet, alle Busse nehmen selbstverständlich Fahrräder mit. Man versteht das dort als Bereicherung für den Fremdenverkehr!
Bei uns hat man leider das Gefühl, die Nebenbahnen sollen sich selbst abmontieren. Viele Nebenstrecken wurden und werden bei uns aus Kostengründen eingespart....
Die ÖBB schließt wieder eine Nebenbahn, mit der sowieso niemand fährt?! Denken wir doch einmal an die Umwelt und wie man den überbordenden Straßenverkehr in den Griff bekommen kann (nicht durch immer neue Straßen, sondern durch ein attraktives öffentliches Netz)!
Hinzufügen möchte ich noch, dass ich bewusst kein Auto besitze. Ich setze auf öffentliche Verkehrsmittel und das Fahrrad als Mobilitätsgarant. Lassen Sie mich und doch auch viele Gleichgesinnte, nicht im Regen stehen und unterstützen Sie unser Anliegen. Setzen auch Sie auf den AUSBAU des öffentlichen Verkehrs, im Interesse der nachfolgenden Generationen!
Martin Zöchling, per E-Mail
Lauter „Drahtesel“
Meist ist Draht drunter und der Esel drauf!!! Wie komme ich zu der Ansicht… Wenn etwas ergraute ältere Herren auf dem Gehsteig radeln und bei einer Garagenausfahrt vorbeiflitzen und erwarten, dass alle anderen aufpassen, kommt mir nur der Gedanke an Vorbilder in den Sinn… ob ich da trotz Schrittgeschwindigkeit jedes mal rechtzeitig stehen werde, schaun ma halt mal… (wie war das mit dem "Wachlern" vor Motordroschken im 19. Jahrhundert ....)
Fahren gegen die Einbahn, wo erlaubt– mühsam aber na ja... Fahren gegen die Einbahn, wo NICHT erlaubt – da fällt mir nur das Wort mit T..... ein. Richtige Nutzung von Mehrzweckstreifen gegen die Einbahn – auch hier gilt das Rechtsfahrgebot (wissen wohl einige nicht ....) Radler auf dem Ring oder Gürtel (nicht am Radweg) – Selbstmörder, anders kann man solche Personen nicht bezeichnen! Bei all diesen Aktionen kommt, wenn etwas passiert, immer der Kraftfahrer zum Handkuss, weil ein Radfahrer ja nicht aufpassen muss (zumindest glauben das einige). Trotz aller Gesetze ist der Straßenverkehr allgemein immer ein Miteinander und kein Gegeneinander!!!! Eines sollte ein Radfahrer halt auch nicht vergessen: Im schlechtesten Fall ist man bei der kaum vorhandenen passiven Sicherheit ein Leben lang tot, und jemand anderer macht sich ein Leben lang Vorwürfe, obwohl er nichts dafür kann…
Ein Kennzeichen, eine Haftpflichtversicherung und ein Radführerschein scheinen da die einzige vernünftige Zukunftsperspektive zu sein. Das sichert wenigstens auch ein paar Arbeitplätze!
Stefan Fekete, per E-Mail
Irrtum&Thema verfehlt
Im Drahtesel 2/2010 auf Seite 8 sehe ich den Beitrag "City-Maut abgelehnt". Dazu 2 Anmerkungen:
1) Der Artikel ist mit einem grünen, hier befürwortenden Hakerl versehen. Ich gehe stark davon aus, dass es sich dabei um einen Druckfehler handelt!
2) Inhaltlich ist der Beitrag eine schwere Themaverfehlung (WuTus?
Pendler? Anrainerparkplätze?). Anstatt sich parteipolitischem Geplänkel anzuschliessen, stünde es dem Drahtesel besser, die konsequente Umsetzung von Radverkehrslösungen einzufordern. Bezogen auf die Überschrift erwarte ich von der ARGUS ein kategorisches JA zur Citymaut bzw. besser: eine vollkommene Sperre der Innenstadt für den Individualverkehr unter gleichzeitiger Vorlage einer attraktiven Alternative durch öffentliche Verkehrsmittel. Und natürlich ein dramatisch verbessertes Radnetz durch den und im 1. Bezirk – und auch in allen anderen 22 Bezirken.
Rudi Lercher, per e-mail
Zu 1) dieser Text hätte in einen Kasten gehört ohne Hakerl!
Zu 2) Gute „Radverkehrslösungen“ kann es nur dann geben, wenn endlich einmal die vielen auf öffentlichen Grund abgestellten Autos kritisch hinterfragt werden: Wo bei uns in den Hauptstraßen Autos abgestellt sind, gibt es anderswo breite Radwege oder Radstreifen. Ein Mittel, um weniger Autoverkehr in der Stadt zu haben, sind Zonen, wo nur „Anrainer“ parken dürfen oder die Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung auf ganz Wien, wie ja von Verkehrsexperten schön öfters vorgeschlagen wurde.
(Anm. d. Red.).
Schlafplatz
Habe soeben den neuen Drahtesel erhalten, den ich wie meistens gleich mit großerNeugier durchgeblättert und zu lesen begonnen habe. Stutzig wurde ich beim "Schlafplatz“, wo mit Bild und Worten in für meine Begriffe ziemlich verächtlicher Weise über "Zweckentfremdung" von Fahrradboxen durch Obdachlose am Salzburger Hauptbahnhof berichtet wird. Ihr stellt eine "arme Sau", die es wagt, eine Fahrradbox als Rückzugsgebiet zu"missbrauchen", an den Pranger, kommt aber nicht auf die Idee, wenigstens andeutungsweise darauf hinzuweisen, dass es in der Stadt Salzburg viele Obdachlose gibt. Ich bin ziemlich verärgert über euren arroganten und unseriösen Umgang mit einer derartigen Thematik.
(Es wäre "fein", wenn ihr euch dazu aufraffen könntet, meine Kritik 1:1 abzudrucken.)
Erich Klinger, per E-Mail
Tut uns leid, dass das so hinübergekommen ist: unsere Sympathie ist auf Seite der Nichtsesshaften, nicht zuletzt deshalb, weil sie oft auf das Verkehrsmittel Fahrrad zurückgreifen, zumindest in Wien. Ausgangspunkt dieses Textes war ein Gespräch mit dem Salzburger Radverkehrskoordinator, der angesichts der „missbräuchlichen“ Verwendung der Fahrradboxen „politisch“ unter Druck steht. Dass Salzburg nicht sehr viel übrig hat für seine „Wohnungslosen“ – außer vielleicht die Duldung in den Höhlen des Mönchsberges – hat sich schon bis Wien durchgesprochen. (Anm. d. Red.)
Wohin?
Zuerst einmal besten Dank für Ihre Bemühungen um uns Radfahrer! Was ich heute anregen möchte bezieht sich auf die Platzfrage in den div. Wohnanlagen.
Ich hab’ einige Bekannte, die sich nur deshalb kein Rad zulegen können, weil einfach nirgends Platz vorhanden ist. Die Bewohner von Neubauten sind ja zu beneiden, weil dort meist große ebenerdige Räume vorhanden sind. Den privaten Hausbesitzern kann man natürlich auch nichts vorschreiben, aber bei den vielen alten Anlagen der Gemeinde oder Genossenschaften müsste es möglich sein, eine Unterbringung innerhalb der Anlage, vor allem, wenn genug Platz vorhanden ist, zu errichten.
Die jetzt vorhandenen Fahrradräume (im Keller!) sind dermaßen klein und entsprechend überfüllt, dass nichts mehr reinpasst.
Ich weiß, dass das ein langwieriger zäher Prozess sein wird, die Genossenschaften dazu zu verpflichten, aber es müsste einmal ein Anfang gemacht werden.
Da ich erst zugezogen bin in diese Anlage, möchte ich mich nicht schon unbeliebt machen, deshalb keine Adresse und außerdem tut es auch nichts zur Sache.
(anonym)
Rad-High-way
... was ist am Rad-Highway zwischen Hadersdorf und der Kennedybrücke so schlecht? Ich finde den Lückenschluss gut. Die derzeitige Route über die Auhofstraße ist kein Vergnügen; fast an jeder Kreuzung eine Nachrang- oder Stopp-Tafel. Außerdem ist die Radfahrt auf der Straße nicht jedermanns Sache. Auf dem Radstreifen einer Hauptverkehrsstraße trifft man selten eine Familie mit kleinem Kind bei einem gemeinsamen Radausflug. Wenn es den Wientalradweg im Wienflussbett gibt, kann ich auch mit Freunden, die nur Gelegenheitsradler sind, dort Richtung stadtauswärts fahren. Möglicherweise gibt es gute Argumente gegen diese – zugegebenermaßen nicht ganz billige – Radwegsverbindung, aber aus den Texten im Drahtesel gehen diese meines Erachtens nicht hervor.
Mario Sedlak
1220 Wien
Die Auhofstraße sollte als „Fahrradstraße“ im Vorrang organisiert werden, aber querende Autoschleichwege durch den Bezirk sind anscheinend wichtiger. Dass sich auf Hauptverkehrsstraßen kaum Familien-Radler zeigen, hängt mit dem schlechten Verkehrsklima (nicht nur in Wien) zusammen. Ein Hauptnachteil ist aber die mögliche Sperre nach einem Regenguss – wegen Hochwassergefahr (siehe Foto links). Letzlich ist der Umstand in einem „Kanal“ Rad zu fahren kaum ein Beitrag zur „Radlust.“
(Anm. d. Red.)
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