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Kinderradhelm-Pflicht – Nutzen in der Statistik nicht nachweisbar


By Andrzej Felczak - Posted on 21 Februar 2011

Mädchen auf Fahrrad ohne HelmWenn Politiker sich nicht trauen wirkungsvolle Maßnahmen für die Sicherheit der schwächeren Verkehrsteilnehmer, wie die Verringerung des Tempos auf den Straßen, zu setzen, werden Alibimaßnahmen, wie z.B. Helmpflicht für Radfahrer, gefordert.
 
 
 
Dass eine Helmpflicht für Kinder keinen messbaren Sicherheitsgewinn bringt, hat uns Schweden vorgeführt. Zitat von Leif Jönsson, Radverkehrskoordinator in Malmö, über das seit 2005 geltende Gesetz : "Das Gesetz, dass alle bis 15 Jahre Fahrradhelme benützen müssen, ist im Großen und Ganzen wirkungslos. Weil man bis zum Alter von 18 Jahren nicht strafmündig ist, kann niemand verurteilt werden, wenn die Eltern nicht anwesend sind. Wir können auch keine Veränderung in der Unfallstatistik sehen, dass Kinder unter 15 von Kopfverletzungen weniger betroffen sind."
 
Gerade bei Kindern werden Grundsteine für Gesundheit, Bewegungsfreude und Radbegeisterung gelegt – und auch hier sind Verkehrserziehung und die Eigenverantwortung der Eltern die geeigneteren Mittel zur Sicherheit. Eine Helmpflicht würde dies erschweren und das Radfahren gefährlicher erscheinen lassen als es tatsächlich ist.
Die Ablehnung der Kinderhelmpflicht ist Lückenlos:

Siehe auch unser Artikel zum Thema Helmpflicht: http://www.argus.or.at/helmpflicht
Bildquelle: www.pd-f.de / pressedienst-fahrrad
 
 

Pressemitteilung
Forschungsgesellschaft Mobilität befürchtet kontraproduktive Effekte durch die Einführung der Helmpflicht

Als Organisation die schon seit mehr als einem Jahrzehnt sehr erfolgreich Kinder dazu motiviert Rad zu fahren, aber auch als Forschungsorganisation möchten darauf hinweisen dass die in den Medien angekündigte Radhelmpflicht zum genauen  Gegenteil der gewünschten Wirkung führen könnte. D.h. es werden zwar auf der einen Seite Kopfverletzungen vermieden, aber auf der anderen Seite in größerer Zahl vorzeitigen Todesfällen durch Bewegungsmangelerkrankungen, als unerwünschte Nebenwirkung, erzeugt. Der einseitige Blick auf die Verkehrssicherheit verstellt damit den Blick auf das Gesamtwohl der Bevölkerung..

Rad fahren verlängert das Leben

In einer groß angelegten wissenschaftlichen Studie hat Prof. Lars Bo Andersen belegt, dass die Mortalitätsrate, also die Wahrscheinlichkeit in einem bestimmten Alter zu sterben, bei Menschen die regelmäßig mit dem Fahrrad fahren um 28% geringer ist (Copenhagen Center for Prospective population Studies, n=7564) als der Durchschnitt. Regelmäßiges Rad fahren wirkt also lebensverlängernd. Befragt nach den Auswirkungen des Radelns bei schlechter Luftqualität oder ohne Helm, antwortete Prof. Anderson, dass diese Einflüsse verglichen mit der Tatsache ob regelmäßig Rad gefahren wird oder nicht, statistisch vernachlässigbar sind.
Dieser Zusammenhang lässt den klaren Schluss zu, dass alles dazu getan werden sollte, möglichst optimale, motivierende Bedingungen für das Rad fahren zu erzeugen und jegliche Barrieren, welche die Rad Nutzung komplizierter oder unangenehmer machen, zu vermeiden um vorzeitige Todesfälle durch Bewegungsmangelerkrankungen zu vermeiden.

Die meisten Kopfverletzungen bei Pkw Insassen

Selbst wenn die negative Wirkung einer Helmpflicht auf die Bereitschaft zum Rad fahren außer acht gelassen wird, ist die Begründung zu deren Einführung keineswegs schlüssig. Die Auswertung von behandlungswürdigen Kopfverletzungen durch Unfälle nach deren Ursache ergab folgendes Bild.
 
Unfallursache                  Prozent- Anteil
Pkw Insassen nach Unfall               48 %
Freizeitunfall                                  26 %
Motorrad/Mopedunfall                   13 %
Arbeitsunfall                                    9 %
Gewalteinwirkung                            2 %
Fußgänger –und Fahrradunfall         2 %
 
Quelle: ZNS – Hannelore Kohl Stiftung für Verletzte mit Schäden des zentralen Nervensystems, Jahresbericht 2004,  n=6432
 
Würde man der Logik folgen, möglichst viele Kopfverletzungen durch Helmvorschriften vermeiden zu wollen, wäre die höchste Wirkung durch Helmtragen im Kfz zu erreichen, wie derzeit ja im Motorsport üblich. Bei Radfahrern und Fußgängern ist da vergleichsweise um Vieles weniger zu erreichen. In Österreich werden etwa doppelt so viele Wege mit dem Pkw, wie zu Fuß und mit dem Rad zurückgelegt, damit ist die Kopfverletzungswahrscheinlichkeit pro zurückgelegtem Weg, im Pkw immer noch um mehr als das 10fache größer als bei nicht motorisierter Fortbewegung.
 

Radfahren sollte nicht per Gesetz das Image einer gefährlichen Aktivität erhalten

Die Forschungsgesellschaft Mobilität führt seit einigen Jahren in Graz flächendeckend ein Kindergartenprogramm durch, welches die Kleinsten für das Rad fahren begeistert und seit mehr als 10 Jahren wird in Graz mit allen Schulkindern das Radfahrtraining in der Verkehrsrealität abgehalten. Beide Aktivitäten haben das Ziel, möglichst vielen Kindern das Rad fahren als ganz normale Aktivität, um von A nach B zu gelangen, näher zu bringen. Wir sind der Meinung, dass Rad fahren im Alltag weder eine Sportart noch eine Risikoaktivität ist, für die eine besondere Schutzausrüstung gesetzlich vorgeschrieben werden sollte.
 

Es ist eher müßig, lang und breit die Risiko-Daten mit und ohne Helm zu zerpflücken. Damit ist in einer ganz bewusst emotionalisierten Diskussion wenig auszurichten. Viel wichtiger ist es, das wirkliche Problem aufzuzeigen: Die Radhelmpflicht bietet den Haftpflicht-Versicherern eine erstklassige Handhabe, um verunglückten Kindern eine Mitschuld durch "Sorglosigkeit in eigenen Angelegenheiten" anzuhängen. Helmpflicht kann bedeuten, dass ein unschuldiges Unfallopfer keinen Euro Schadenersatz für eine lebenslange Schädigung bekommt, wenn der Helm ausnahmsweise vergessen wurde oder wenn nicht nachzuweisen ist, dass er ordnungsgemäß getragen wurde. So
können die Versicherer verunglückten Kindern Schadenersatz vorenthalten. Da, wie
ich hoffe, der Vorstoß in Richtung Helmpflicht nur auf einer Fehleinschätzung der rechtlichen Folgen beruht, hoffe ich dringend, das dieser gegen die schwächsten Verkehrsteilnehmer gerichtete Schritt unterbleiben wird. Das hoffe ich nicht nur im Interesse radfahrender Kinder sondern im Interesse aller, die sich per Fahrrad fortbewegen. Wenn der Versuchsballon mit der Helmpflicht für Kinder funktioniert, dann kommt die Radhelmpflicht für alle Altersgruppen so sicher wie das Amen im Gebet.
 

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