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Lösungsvorschläge zum Getreidemarkt


By Andrzej Felczak - Posted on 19 Februar 2013

Der mediale Vorstoß von Christoph Chorherr bezüglich einer möglichen Radverkehrslösung für den Getreidemarkt hat einen wichtigen Brennpunkt des Wiener Innenstadtverkehrs in den Blickpunkt gerückt: Ein Nadelöhr, das große KFZ-Massen von der Zweierlinie über 3-4 Spuren zur Wienzeile und Richtung Karlsplatz schleust und ebenso eine wichtige Verbindung für den Radverkehr darstellt, die aber bisher aufgrund der vorherrschenden Gefahren durch den KFZ-Druck nicht sicher nutzbar ist. Will die Stadt Wien sichere und einladende Infrastruktur für den zu steigernden Radverkehr herstellen, braucht diese Stelle jedenfalls eine radfreundliche Lösung, die sich an den Kriterien Sicherheit, Tempoentschleunigung und direkter Radverkehrsführung zu orientieren hat und dadurch auch für weniger geübte und gefahrensensible RadlerInnen annehmbar ist. Die Wiener Radlobbys ARGUS und IGF sehen daher großen Bedarf für eine baulich getrennte Radverkehrsfläche, die das Museumsquartier mit dem Naschmarkt verbindet und so die Anfahrt auf die Bezirke 4 und 5 erschließt. 
 
Im Unterschied zur medial vorgeschlagenen “schnellen Lösung“, die ohne Einbeziehung der RadverkehrsvertreterInnen publiziert wurde und wir hier bereits angesprochen haben, und die einen Mehrzweckstreifenverschwenk im gefährlichen Bergabbereich vorsah, favorisiern wir nach einem Gespräch mit den zuständigen Stellen klar jene einer getrennten Radwegführung, welche die gesamte Strecke Mariahilferstraße – Naschmarkt umfassen muss.
 
Problemfelder des IST-Zustands:

  • Hohe Geschwindigkeit von KFZ weit jenseits der zugelassenen 50km/h
  • Hohes KFZ-Verkehrsaufkommen auf bis zu vier (engen) Spuren
  • Ein zu schmaler und holpriger Radstreifen ohne Sicherheitsabstand zu den rasenden KFZ
  • Das abrupte Ende mit “Ende” des Streifens vor der Auffächerung der 3 KFZ-Spuren auf 4 Spuren
  • Dadurch bleibt die Befahrung der Fahrspuren nur für erfahrene, mutige RadlerInnen (und keinesfalls für Familien) machbar.
  • Es existiert keine durchgehende Radverkehrslösung zu Karlsplatz, Operngasse und Zweierlinienfortsetzung
     


(Filmstill Kurt Enenkel, FB)
 
Lösung durch baulich getrennten Radweg:

  • Bei derart hohen KFZ-Verkehrsaufkommen und -Geschwindigkeiten muss eine getrennte Radverkehrsführung hergestellt werden.
  • Eine geeignete Ampelschaltung vorm Naschmarkt mit getrennter Schaltung des Gerade- und Rechtsabbiegeverkehrs stellt sichere Radquerung parallel zum Fußverkehr her. Eine gemeinsame Ampelschaltung mit zwei Rechtsabbiegern und schnellen Radlern ist aus Sicherheitsgründen kategorisch abzulehnen.
  • Ab Naschmarkt ist dank Entschleunigung durch fehlendes Gefälle und Ampelfrequenz eine Führung auf ausreichend breitem Mehrzweck- bzw Radstreifen möglich.
  • Eine Befreiung des Radweges von Benützungspflicht ermöglicht geschulten RadlerInnen weiterhin schnelles Vorwärtskommen durch die Nutzung der KFZ-Ampelphase bei Radeln auf der Fahrbahn

(Skizze TU-Arbeit Plepelits)
 
Gesamtheitliche mittelfristige Lösung:

  • Nicht nur bergab von Mahü bis Naschmarkt, sondern auch bergauf von der Operngasse /Secession bis zur Babenbergerstraße muss eine sichere, direkte Radlösung geschaffen werden
  • Die Mariahilferstraßen-Umgestaltung und Gumpendorfer-Beruhigung muss mit geeigneten anderen Begleitmaßnahmen zu einer Reduktion des Verkehrsaufkommens am Getreidemarkt führen.
  • Das Wiener Regierungsübereinkommen stellt eine 30%ige Reduktion des KFZ-Aufkommens bis 2015 zum Ziel, dazu müssen langfristige gesamtheitliche Maßnahmen ergriffen werden, die auch zur Beruhigung des Getreidemarkts führen.

 
Mindestanforderung für jeden Lösungsvorschlag:

  • Durchgängige Verbesserung der Situation von Mariahilferstraße bis Naschmarkt ohne Stückwerk
  • Temporeduktion durch Radarbox (mittelfristig) bzw Schwerpunkt-Dauerkontrollen durch Polizei (sofort umsetzbar)
  • Sicherheitszonen durch Sperrlinien/-flächen entlang der möglichen Radstreifen und -verschwenke
  • Sehr präsente, große, sichtbare Nachrangzeichen für KFZ-Verkehr vor möglichen Radstreifenschwenks
  • Durchgängige Signalfarben-Markierung des Radstreifens/MZS

 
Wir meinen…
 
“Gerade im Wiener RadJahr 2013 und an einer so wichtigen Stelle kann die vermeintliche Flüssigkeit des KFZ-Verkehrs nicht mehr über die Sicherheit  der zukünftig dort Radfahrenden gestellt werden. Das ist nicht nur unzeitgemäß, sondern widerspricht den Verkehrszielen der Stadtregierung”, machen ARGUS und IGF gemeinsam als ARGE Radlobby Wien deutlich.
 
PS: Neue Versionen werden nun laut Chorherr geprüft, wie auch die Presse hier schreibt: “… Die Rede ist von „einer etwas modifizierten alten und einer ganz neuen Variante“. Aber jede Veränderung sei besser als die aktuelle Situation”, so die Presse. Nein, nicht JEDE Veränderung ist besser, sondern nur GUTE Veränderungen sind Verbesserungen.
 
PPS: Zum Thema Radweg am Getreidemarkt hier zB eine Universitätstarbeit an der TU Wien IVS Verkehrssystemplanung von Stephan Plepelits: Download.
 

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