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Realitätsverweigerung der FPÖ


By Andrzej Felczak - Posted on 03 Oktober 2012

Die FPÖ und der Radverkehr – ein Lehrbeispiel an Unlogik
 Der FPÖ Wien liegt wieder einmal das Thema Sicherheit am Herzen. „Fahrrad-Rowdies und Rad-Rambos", so ein dringlicher Antrag der FPÖ-Gemeinderäte Gudenus, Dadak, Baron und Irschik an den Bürgermeister Häupl, „sorgen tagtäglich für gefährliche Situationen im Straßenverkehr und verursachen Sach- und Personenschäden, die auf Grund der fehlenden Identifizierbarkeit der Täter oft zu massiven finanziellen Belastungen für die Unfallopfer werden.“

 
Wien 21. Leopoldau 2007 - Raser demoliert Radständer - zum Glück war kein unschuldiger Passant betroffen
 
Also auf gut deutsch: Nummerntafeln für Fahrräder müssen her! Ein alter, längt gegessener Hut könnte man meinen, sprach sich doch auch Verkehrsministerin Bures kürzlich gegen eine europaweit einzigartige Kennzeichnung von Fahrrädern mit Nummerntafel aus. Logisch, wenn man Aufwand und Nutzen vergleicht, zudem alleine die Logistik und Bürokratie Unsummen verschlingen würde.
 

Aber die FPÖ lässt nicht locker: „In der Statistik leider nicht gesondert ausgewiesene Fahrerfluchtdelikte durch Radfahrer haben in den letzten Jahren nach Auskunft von Exekutive und Versicherungen in der Bundeshauptstadt stark zugenommen“, schreibt sie weiter, allerdings ohne auch nur ansatzweise konkrete Zahlen oder Quellen zu nennen. Dort, wo es diese Zahlen aber gibt, weisen sie auf das Gegenteil hin, dass nämlich mehr Radverkehr keineswegs zu mehr Konflikten führt, ganz im Gegenteil. Dies entspricht auch internationalen Beobachtungen.
Bild: Ringradweg 2008 - wurde vielleicht der Radfahrer aufgehalten weil er Fahrerflucht begehen wollte?
 
Und dass das Gefährdungspotenzial von Autos und Rädern nicht wirklich miteinander verglichen werden kann, ist logisch, wenn man die unterschiedlichen Massen und Geschwindigkeiten von Autos und Rädern betrachtet. Oder die Unverhältnismäßigkeit hinsichtlich der Raumverteilung. Am Ring etwa stehen dem MIV drei Fahrspuren, zwei Nebenfahrbahnen und bis zu vier Parkplatzspuren zur Verfrühung – also 9 (!) Spuren für den MIV – während sich Fußgänger und Radfahrer zwei zudem ineinander verflochtene Spuren teilen müssen. Dass dies zu Konflikten führt ist logisch, und keine vielleicht sogar noch scharfkantige Nummerntafel wird diese Konflikte lösen können geschweige denn Fahrerflucht verhindern. Der MIV macht‘s ja seit Jahrzehnten vor.
 
Würde die FPÖ Wien also logisch denken und läge ihr das Thema Sicherheit wirklich am Herzen, so würde sie sich eher für eine gerechte Umverteilung des öffentlichen Raumes zugunsten des umweltfreundlichen, leisen, ressourcen-schonenden und gesunden Radverkehrs einsetzen. Und das Thema Radnummerntafeln ganz schnell vergessen.
  
Bild: am 21. April 2009 kam im 22. in der Langobardenstraße ein Fahrzeug von der Fahrbahn ab. Das Kind am Gehsteig hatte keine Chance, die Trauer hält immer noch an. Siehe auch: http://wiev1.orf.at/stories/356830
 
Links:
http://derstandard.at/1342948132132/Nummerntafeln-auf-Fahrraeder--Kanonen-auf-Spatzen
http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIV/AB/AB_00097/fnameorig_146618.html

Robert Spoula
 

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Eine gute Antwort auf diesen Unsinn. Die Fotos zeigen drastisch, was sich da in Wirklichkeit im Verkehr abspielt.
Abgesehen davon wäre auch eine grundlegende Diskussion datrüber hilfreich, welche Autolobbyisten für Gesetze sorgen, die das Radfahren diskriminieren. Dazu gehören beispielsweise Präsidenten von Höchstgerichten, die nebenberuflich Funktionäre von ARBÖ und ÖAMTC sind, Verkehrsjuristen von Versicherungen, nicht zu vergessen autorasende PolitikerInnen.
Die Nummertafeldebatte hat eine lange Tradition und ist stets als Methode zur Repression benutzt worden. Fröhliche Urstände feierte das im Austrofaschismus, als die damalige Gesetzgebung bis in die 2. Republik beschlossen wurde, weitgehende Radfahrverbote auf Prestigestraßen (zB auf den Kahlenberg) zu erlassen.

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