„Radfahren beginnt im Kopf“, stellte der oberösterreichische Umweltlandesrat Rudi Anschober zur Eröffnung des oberösterreichischen Radgipfels, der Ende Mai in Linz stattfand, fest. Wenn dem so ist, braucht es vieler Motivationsschübe und mentaler sowie sonstiger Verlockungen, damit mehr ÖsterreicherInnen den Autoschlüssel liegen lassen und sich auf ihr Fahrrad schwingen. Schließlich hat so gut wie jeder eines zu Hause stehen.
Anregungen zur Bewusstseinsbildung und Imageförderung pro Rad waren denn auch Hauptthema des Gipfels. „Radlkampagnen – Kommunikation als Erfolgsfaktor“ stellte der kreative Mitinitiator der Radlust-Ausstellung und jetziger Münchner Rad-PR-Experte Wigand von Sassen vor. Sein Credo: „Das Fahrrad hat alle guten Argumente auf seiner Seite, wir müssen es nur gescheit kommunizieren.“ Er will dem Imageproblem, das das Fahrrad noch bei vielen Bürgern hat, mit kreativen Kampagnen zu Leibe rücken. Nach dem Motto: Dem Auto wird regelmäßig gehuldigt und es wird als Kultobjekt inszeniert, in Auto-„Salons“, Werbespots, Magazinen, Mobilitätsbeilagen der Wochenendausgaben vieler Zeitungen. Eine vergleichbare emotionale „Huldigung“ des Fahrrads gilt es zu entwickeln, als ein Lifestyleprodukt, das uns Freiheit, Unabhängigkeit, Fitness … ermöglicht. Dazu gehört u. a. auch das passende Outfit für den Alltagsradfahrer und die –radfahrerin, in dem man auch im Büro gute Figur zeigt, wie die Modenschau der Firma Löffler demonstrierte.
Die „Radlhauptstadt München“ macht es gerade um 1 Mio Euro vor, mit dem Ziel, mehr Münchner auf das Fahrrad zu bringen und gleichzeitig vorsichtigeres und rücksichtsvolleres Radfahren zu propagieren. Mit kreativen Events wie einer Radl-Night, bei der 4.500 Müncherinnen und Münchner den gesamten gesperrten Altstadtring bevölkerten, mit Radlcastings „München sucht den Radlstar“, einem Bicycle Film Festival, dem „Sicherheitsjoker“, der in der Stadt unterwegs ist, um Radler zu einer rücksichtsvolleren Fahrweise zu motivieren etc.
Aber auch in Österreich sorgt die klima:aktiv mobil Kampagne des Lebensministeriums seit mehreren Jahren dafür, dass Länder, Gemeinden und Betriebe mehr zur Förderung des Alltagsradverkehrs tun. Dabei werden sowohl harte wie weiche Maßnahmen gefördert, also Infrastruktur wie bewusstseinsbildende und Kommunikationsprojekte. Messbares Ziel: die Einsparung von CO2. 16,8 Mio € wurden bisher für die eingereichten Maßnahmen der 200 Projektpartner ausgegeben und rund 55 t CO2 eingespart, wie der österreichische Radverkehrskoordinator Martin Eder berichtete.
Einkaufen mit dem Fahrrad
Heuer wollen die Radfahrbeauftragten der Länder und Städte gezielt Einkaufen mit dem Fahrrad fördern, sind doch laut einer brandaktuellen Studie des Lebensministeriums 82 % aller Einkaufsfahrten mit dem PKW kürzer als 5 km und wiegen 50 % aller Einkäufe weniger als 5 kg! Die 132 Spar-Filialen in Wien sind die Vorreiter: mit bisher 450 neuen modernen Radparkplätzen, gemeinsamen Marketinginitiativen und speziellen Angeboten wie einem E-Bike, Fahrradschlössern und -körben.
Eindrucksvoll auch die bisherigen Erfolge der in Deutschland seit 2001 laufenden Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“, die die deutsche Radlobby ADFC gemeinsam mit der Gesundheitskasse AOK durchführt. Eine absolute win-win-Situation für alle Beteiligten: Radfahrer sind nachweislich gesünder und damit weniger im Krankenstand und sparen sowohl dem Betrieb wie der Krankenkasse Kosten, und Radfahrer fühlen sich fitter und kommen schon voll in Schwung am Arbeitsplatz an. Das Konzept der Aktion: Firmen motivieren ihre Mitarbeiter, in Vierer-Teams mitzumachen und an mindestens 20 Arbeitstagen zwischen April und Oktober mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Unter den Teilnehmenden werden als Anreiz attraktive Preise verlost. 180.000 Berufstätige aus fast 20.000 Betrieben beteiligten sich im Vorjahr an der Aktion, die damit wohl die bei weitem erfolgreichste Kampagne zur Förderung des Alltagsradverkehrs ist. Ein sehr positiver Effekt: Es entsteht durch die Teilnehmer ein Druck auf die Betriebe, mehr für ihre Rad fahrenden Mitarbeiter zu tun (z. B. Schaffung von geeigneten Abstellanlagen, Umkleide- und Duschmöglichkeiten etc.). Beim Treffen der Radfahrbeauftragten mit Vertretern der Radinitiativen schlug Gerhard Prieler, stv. Vorsitzender der Initiative FahrRad OÖ und ARGUS-Vorstandsmitglied im Namen der Radlobbys vor, die Aktion, die es übrigens auch in der Schweiz gibt, auch in Österreich bundesweit durchzuführen.
E-Bikes
Auffällig bei vielen Beiträgen im Rahmen des oö. Radgipfels war außerdem, dass E-Bikes, genauer gesagt Pedelecs ganz stark im Kommen sind, was allein an den Produktionszahlen von KTM eindruckvoll sichtbar wird: So lag die Anzahl der erzeugten E-Bikes noch im Vorjahr bei bescheidenen 700 Stück, heuer sind es bereits 7.000 und für 2011 plant man eine Produktionssteigerung auf 21.000 Stück. Insgesamt gehen Experten von der Prognose aus, dass in rund 5 Jahren 10 bis 15 Prozent aller Neuräder E-Bikes sein werden und damit – wie anhand einer neuen Studie dargestellt wurde, viele Neu- und Wiedereinsteiger gewonnen werden können.
Gerhard Prieler
Initiative FahrRad/ARGUS OÖ