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Begeistertes Alltagsradeln trotz Handicap


Jahr: 
2011
Ausgabe: 
1

 
 von Katharina Kovacs
 
Im Alltagsverkehr trifft man eher selten auf Liegedreiräder die allgemein auch als Liegetrikes oder kurz Trikes bekannt sind. Erhätlich sind diese Gefährte in zwei verschiedenen Grundtypen.
 
Einmal in der Bauform des „Tadpole“ (engl. für Kaulquappe), welches zwei gelenkte Räder vorne und ein angetriebenes Rad hinten kennzeichnet, oder in der etwas selteneren Form des „Delta“, bei welchem zumeist eines der Hinterräder angetrieben wird, manchmal aber auch beide oder das Vorderrad. Sollten Sie im Wiener Alltagsverkehr einmal auf ein solches Gerät stoßen, so ist es gut möglich, dass es sich um Manfred Schindler handelt, der gerade zufrieden und enthusiastisch auf seinem außergewöhnlichen Gefährt durch die Stadt gleitet.
 
Nach jahrelanger, ständiger Benützung seines Fahrrades wurde es ihm aus gesundheitlichen Gründen von einem Tag auf den anderen unmöglich, sein Fahrrad in dessen herkömmlicher Form weiterhin zu benützen. Wer schon einmal das Vergnügen hatte mit Herrn Schindler zu plaudern, der kann sich nun bestimmt vorstellen, dass dieser ganz und gar nicht dazu bereit war, sich durch seine schweren Schicksalsschläge bewegen zu lassen, sein geliebtes Radeln aufzugeben. Im Gegenteil! Stattdessen entschied er sich den etwas steinigeren Weg zu beschreiten und verzichtete auf ein Auto samt passendem Parkplatz, um sich nach etwas umzusehen, das seinen ganz persönlichen Ansprüchen gerecht werden konnte. Ein passendes Liegedreirad musste her!
 
Vorteile eines Trikes
Nach langer Recherche, die sich auf Grund des nicht besonders großen Marktes gar nicht so einfach gestaltete, wurde er letztendlich in Gänserndorf (Fa. „Bikerevolution“) fündig und erstand seinen neuen täglichen Begleiter: ein „Mad Max“ Liegedreirad!
 
Mithilfe von Martin Köck (Fa. elfKW – Elektroleichtfahrzeuge) konnte dieses Fahrzeug mit einem Elektrohilfsmotor, Stauraum für Krückenhalter, einer Pedalverkürzung mit Magnetpedalen ausgestattet und den alltäglichen Gegebenheiten Herrn Schindlers perfekt angepasst werden. Wegen des stark beschädigten Knies wäre ein einfaches Pedelec nicht zielführend gewesen, weil das lädierte Knie die Pedalbewegung für Herrn Schindler mehr oder weniger unmöglich gemacht hätte.
 
Die Magnetpedale geben sowohl zusätzliche Sicherheit gegen Abrutschen als auch die Möglichkeit mit dem gesunden Bein zu drücken bzw. zu ziehen. Durch die Pedalverkürzung (Kurbelarmverkürzer) ist es ihm  nun auch möglich, mit dem linken Bein mitzutreten. Durch die niedrige Höhe und das Vorhandensein von drei Rädern sind Aufstiegsprobleme, Anfahrzuckeln oder das Sitzenbleiben an einer Kreuzung sowieso kein Thema mehr! Die Beine sind idealerweise stets hochgelagert, trotzdem wird die Muskulatur gefordert – wodurch es Herrn Schindler an guten Tagen sogar möglich ist, etwa 50 % der erforderlichen Tretkraft durch eigene Körperkraft aufzuwenden. Durch die unterstützende Wirkung des Elektrohilfsmotors gibt es auch keinerlei körperliche Überbelastungen. Die auf dem  Markt präsenten Händler solcher Sondergefährte sind zwar in erster Linie auf Sportler und Funbiker eingestellt, jedoch machen Trikes auch Menschen mit Handicap ein leidenschaftliches und erfolgreiches Fahrerlebnis möglich. Hier gilt: „Keine Scheu! Was nicht passt wird eben passend gemacht“ – am besten mit kompetenter Hilfe von Martin Köck, der sich jeder noch so schwierigen Herausforderung stellt und sich auf die Suche nach einer optimalen Lösung für diese begibt. An dieser Stelle sei auch Michael Ferdiny von der Ciclopia nicht unerwähnt. Er hat immer ein offenes Ohr für Herrn Schindler und steht ihm stets mit Rat und Tat zur Seite.
 
Abstellmöglichkeit
Wie man sich – auch als Benützer eines herkömmlichen Fahrrades – bestimmt vorstellen kann, drängen mit dem Kauf eines Trikes neue Problemfelder ans Licht, derer es einer Lösung bedarf. Das Trike muss zum Beispiel untergebracht werden, was aufgrund seiner Größe nicht ganz so einfach ist wie bei einem herkömmlichen Fahrrad. Weiters sollte es nicht allzuweit entfernt abgestellt werden, um leicht und problemlos erreichbar und somit praxisnah in den Alltag integrierbar zu sein. Hiebei eignet sich aufgrund der besonderen Eigenschaften eines Liegedreirades ein vor Wind, Wetter und Diebstahl gesicherter Parkplatz – am besten mit Elektroanschluss, um es gleich vor Ort mit Strom versorgen zu können! Natürlich ist diese Möglichkeit nicht immer leistbar, weswegen aber auf keinen Fall der Gang zum zuständigen Magistrat zwecks Hilfestellung gescheut werden sollte.
 
Mitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln
In der U-Bahn ist es leider nicht möglich dieses Gefährt zu transportieren und als Reisender der ÖBB ist man auf Grund der allgemeinen Bestimmungen zur Mitnahme ausschließlich einspuriger Fahrräder ohne Elektrohilfsmotor doch sehr auf den guten Willen der Zuständigen angewiesen. Für Reisen im Flugzeug gibt es die Option das Trike (mit abmontiertem Hinterrad & verpackt) mitzunehmen und auch im Auto ist eine Mitnahme möglich. Dazu sollte natürlich mit nach vorn geschobenen Sitzen extra Platz geschaffen werden, um es unterbringen zu können. Das „Mad Max“  kann zwar ein Stück weit zusammengefaltet werden, indem man den Tretlegermast vorne umgeklappt, dies könnte sich jedoch als recht schwierig herausstellen, wenn es gesundheitlich vielleicht nur sehr kurze Zeit möglich ist (schmerzfrei) zu stehen.
 
ARBÖ-Freizeit-Sicherheitspass
Eine weiteres Problem stellt auch die Angst vor dem „Liegenbleiben“ dar, dieser schafft jedoch der ARBÖ mit seinem extra geschnürten Freizeit-Sicherheitspass um 22 Euro abhilfe. Mit weiteren 16 Euro Mitgliedsbeitrag muss man nun keine Angst mehr haben, plötzlich an einer Kreuzung eine Panne zu haben  und nicht zu wissen wie man weiterkommt – denn man wird bei Anruf ganz einfach abgeholt und nach Hause transportiert.
 
Das Leben ist zu kurz, um sich seine täglichen Freuden nehmen zu lassen. Denn nichts und niemand sollte uns den Mut nehmen die Dinge zu tun, die uns Freude bereiten. Egal wie weit der Weg ist, man muss den ersten Schritt tun. 
 
Weiterführende Information:
http://www.argus.or.at/
http://schindlers.at/
http://www.arboe.at/
http://www.bike-revolution.at/
http://elfkw.at/
http://www.liegeradforum.net/
http://www.velomobilforum.de/forum/
http://www.evernote.com/pub/manfreed/Fahrrad
http://www.ciclopia.at/
 

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