You are hereRadfahren und Einkaufen – eine Beobachtungsstudie
Radfahren und Einkaufen – eine Beobachtungsstudie
Jedes Wochenende staut es sich rund um die Shoppingcenter und in den Einkaufsstraßen, und Parkplätze sind Mangelware. Für viele scheint der Privat-PKW das einzige zum Einkaufen geeignete Verkehrsmittel zu sein und argumentiert wird mit der mitfahrenden Familie und der Menge der Einkäufe.
Die Beobachtungsstudie „Einkaufsverhalten in Graz und Umgebung“ von ARGUS Steiermark zeigt aber, dass in den allermeisten Fällen das umweltfreundliche und platzsparende Verkehrsmittel Fahrrad genau so gut verwendet werden kann.
Bei der Studie wurden insgesamt 1.635 Einkäufe bei Baumärkten, Discountern und Lebensmittelnahversorgern in Graz und Umgebung beobachtet. Volumen und Gewicht der Einkäufe wurden von Personen beurteilt, die Erfahrung im Transport von Waren mit
Fahrrad und Fahrradanhänger haben und diese konnten das Transportpotenzial der Einkäufe abschätzen.
Alle Geschäfte waren mit Kundenparkplätzen für Autos und Fahrräder ausgestattet, die vom Beobachtungspunkt aus einsehbar waren, so dass auch erfasst werden konnte, wie die Kunden ihre Einkäufe abtransportieren.
Wien Megabaumax Brünner Straße - schon jetzt kommen viele Kunden mit dem Fahrrad
Unten eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der Beobachtungsstudie.
Transportpotenzial und Verkehrsmittelwahl
In Bezug auf das Einkaufsvolumen hätten 80% der Einkäufe mit dem Rad erledigt werden können. In 14% der Fälle wäre ein Fahrradanhänger erforderlich gewesen und nur für 6% (!) gäbe es keine Alternative zum Auto. Selbst in Baumärkten reicht für 73% der Fälle ein Fahrrad aus. Lebensmitteleinkäufe könnten sogar zu 99% mit dem Fahrrad abtransportiert werden.
Transportpotenzial - welches Verkehrsmittel ist erforderlich, um die eingekauften Waren zu transportieren
Tatsächlich wird jedoch in 77% das Auto als Transportmittel verwendet. In 19% wird per Pedes eingekauft und nur 4% der Einkaufstouren werden mit Fahrrad erledigt.
Verkehrsmittelwahl - welches Verkehrsmittel wurde für den Transport der Waren tatsächlich verwendet
Gruppengröße bei Einkäufen
Als Argument für die Autonutzung wird auch oft angeführt, dass Kinder oder andere Personen zum Einkauf mitgenommen werden und man daher kein anderes Verkehrsmittel verwenden kann. Tatsächlich wurde aber beobachtet, dass zwischen 53% und 74% der Einkäufe von Einzelpersonen durchgeführt wurden und somit ist auch aus diesem Grund ein Großteil der Einkäufe mit dem Rad machbar.
Das Potenzial für das Fahrrad als Einkaufsfahrzeug
Alle beobachteten Geschäfte liegen in Siedlungsgebieten, also nicht in abgelegenen Einkaufszentren, so dass die Weglänge kein Argument gegen eine Radnutzung ist. Klar ist jedenfalls, dass das Fahrrad noch ein enormes Potenzial als Einkaufsfahrzeug besitzt. Um es abzuschöpfen, sind eine sichere und bequeme Zufahrt mit dem Fahrrad, geeignete Radabstellanlagen und Kampagnen erforderlich, um radfahrende Kunden anzuwerben .

Wien Millenium City - der Betreiber hat erkannt, dass Radfahrer auch Kunden sind
Verglichen mit den Unsummen, die für die Infrastruktur des motorisierten Verkehrs ausgegeben werden, ist jedoch die Fahrradförderung ein Schnäppchen. Die zusätzlichen Effekte wie Vermeidung von Lärm, Abgase und CO2 und die verbesserte Volksgesundheit kommen noch zusätzlich der gesamten Gesellschaft zu gute.
Die Situation in Wien
Eine vergleichbare Studie ist für Wien nicht vorhanden. Es kann aber angenommen werden, dass das Einkaufsvolumen je Einkauf sich von Graz nicht wesentlich unterscheiden wird. Hinsichtlich Autonutzung werden die Wiener Außenbezirke wahrscheinlich vergleichbar mit Graz sein und das Potenzial somit ähnlich.
Langenzersdorf bei Wien - viele erledigen die Wochenendeinkäufe mit dem Fahrrad
Im innerstädtischen Bereich ist, durch den besseren ÖV und die beengten Platzverhältnisse, mit großer Sicherheit die Zahl der Kunden, die das Auto verwenden, geringer. Ein Extrembeispiel - in der Mariahilfer Straße kommen laut einer Studie der Wirtschaftskammer nur 8% der Kunden mit dem PKW. Durch die Förderung des umweltfreundlichen Individualverkehrsmittels Fahrrad ließen sich aber auch hier höchst wahrscheinlich neue Käuferschichten anlocken oder bestehende besser behalten.
Download Beobachtungsstudie: Einkaufsverhalten in Graz und Umgebung
Artikel ARGUS Steiermark: Einkaufszentren-Radtest: Murpark klar voran
- Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben
-

Ich würde gerne den einen oder anderen (Einkaufs-)Weg mit dem bike machen, wenn ich mir sicher wäre, dass ich mein bike auch nach dem 20. Einkauf wieder vorfinden würde. Das große Problem in Wien ist nicht das Vorhandenseind der Räder in den Haushalten, auch nicht die Bereitschaft, es zu benutzen, es gibt in Wien genau 2 Probleme: 1. wird gestohlen auf Teufel-Komm-raus, eine Freundin hatte ihr neues 400€-bike gerade mal 4 Wochen, mein Bruder sein teureres MTB nicht mal ein Jahr, einem Freund wurde sein bike ebenfalls gestohlen. 2. Am Weg zur Arbeit schwitz' ich so viel, dass ich den ganzen Tag nicht gesellschaftsfähig bin. Lösung wäre, die Diebstahlsicherheit zu erhöhen (mehr Polizei, bessere/sicherere Abstellmöglichkeiten in EKZ) und verpflichtende Duschen für alle Firmen ab 15 Mitarbeiter.
Liebe Grüße
Thomas
Thomas T
Ich selbst gehe zu fuß in der umgebung, Grätzel oder wie das in wien heißt, einkaufen. Aber wo bitte ist in Wien ein Baumarkt, der anständig mit dem Rad zu erreichen wäre?
Egal, ich bezale für meine schrauben lieber das doppelte, muss aber dafür nur genausoviele kaufen wie ich brauche, was im endeffekt billiger ist. Beim Eisenwarenhändler um die ecke.
Am Land siehts da vermutlich anders aus, da haben die kleinen Läden meißt zugesperrt (wielange die in wien wohl noch durchhalten?). Insoferne halte ich so eine Einkaufsstudei in wien eher für überflüssig. Interessanter wären da schon arbeitswege...
Interesante Studie, leider zeigt sich bei vielen Kaufhäusern und Geschäften oft ein guter Kundeparkplatz (Garage oder Oberirdisch) ein Radparkplatz ist aber selten zu finden. Éine Verpflichtung für > 500m2 Verkaufsfläche wäre schon was nettes.